Kochsendungskritik

Heute gehts um die Kerner Sendung vom 19.05.2006. Thema “Kochen für die WM”.

Nach der doch etwas verunglückten Sendung zum Muttertag davor, in dem man lediglich erfahren hat, daß Johann Lafer sein Talent von der Mutter hat, war diese Sendung wieder erfrischend. Kerner gut gelaunt, am Witz wurde bei keinem gegeizt und kulinarisch wars top.

Aber zunächst mal das Line-Up: Es kochten Sarah Wiener, Tim Mälzer, Saverio Pugliese, Alfons Schuhbeck & Ralf Zacherl.

Sarah Wiener macht eine Mango-Ingwersuppe. Asiatisch, gesundheitsbewußte Küche gewidmet den Frauen. Ohne Mist… Das hat sie gesagt. Ich find’s aber auch als Mann ziemlich lecker. Ein gutes, einfaches, klares Rezept. Unprätenziös aber geschmacklich interessant. Dazu gibt’s “halbert-rohe” Garnelen. Und da darf’s auch mal eine aufgetaute Garnele sein. Das ermunterte auch Herrn Schuhbeck zu einer Psychoanalyse der Garnele an sich in der Pfanne. (“So wie du sie reinlegst alleine, freuen sie sich eh schon das sie drin sind”) Frau Wieners Mango war allerdings zu sauer, so daß sie nachkorrigieren muss. Das kann immer mal passieren. Man erregt sich dann beim Nachkorrigieren an der Frage Curry oder nicht Curry. Herr Mälzer appelierte mal wieder an den Pragmatismus in der Küche, wenn das Ausgangsprodukt nicht 100%tig stimmt, dann muss ich eben nachkorrigieren.

Herr Mälzer positioniert sich während der Sendung klar als der Fussball-Experte des Teams und kocht karibisch. Jerk Chicken soll es sein. Dankbar für Herrn Mälzer, der es ja sonst so mit den Röstaromen hat. Womit er ja sogar recht hat… Ein wenig Röstaroma tut fast allem gut. Dazu gibts einen Papayasalat (Papaya, rote Paprika, rote Zwiebel, anmachen, fertig), der wohl die Stärke des Jerk Chicken ein kompensiert… Klasse… Sogar Frau Wiener äußert uneingeschränktes Lob.

Aus dem Haferkasten in Neu-Isenburg kommt Herr Pugliese. Wer es nicht wusste… Er kocht für die deutsche Nationalmannschaft. Bei Kerner brät er Seeteufel. Seine Zubereitung ist tradionell italienisch, bestimmt sehr lecker, aber auch irgendwie nicht überraschend. Rosmarinkartoffeln und eine Art Sugo aus getrockneten Tomaten, speziellen Zwiebeln und diversem anderem Italienischen. Das ist nicht das Essen für die Nationalmannschaft vorm Spiel, gibt er auch zu. Sieht aber sehr gut aus. Schmeckt bestimmt super. Aber wie gesagt… Nicht sehr überraschend. Trotzdem klar, einfach und natürlich.

Alfons Schuhbeck mochte ich noch nie. Fachlich ist er bestimmt prima, aber so vom Zusehen mochte ich ihn menschlich einfach nicht. Sein Rinderfilet war allerdings überraschend. Knoblauch und Vanille zu kombinieren ist sehr ungewöhnlich. Ich hab da seitdem auch mal etwas mit rumexperiment. Das ist nicht einfach zu dosieren, aber wenn’s gelingt sehr sehr lecker. (Kerner: “Das ist ja der Hammer!”) Herr Schuhbeck empfiehlt diese Kombination für Fisch… Das muss ich bei Gelegenheit mal probieren. Die klassische Restaurantpreisdiskussion für Herrn Schuhbecks Teller blieb nicht aus. Aus seinem Rezept läßt sich handwerklich allerdings sehr viel lernen, so daß man zu Hause ähnliche Qualität erreichen kann, wenn man sich ein wenig was abschaut.

Ralf Zacherl macht Milchreisknödel mit Balsamico-Erdbeeren. Und zeigt da so nebenbei, wie man sich einen günstigen Balsamico schönkochen kann. Er schöner alter Balsamico in allen Ehren, aber 60 Euro pro kleiner Flasche ist doch etwas deftig. Herr Zacherls Tipp ist genau das, was ich von der Kerner Sendung erwarte: Hinweise, wie man mit einfachen Mitteln annähernd Ergebnisse erzielen kann, die sonst nur mit extrem teuren Produkten denkbar wären. Das Publikum musste den Blindtest durch Herrn Kerner überstehen. Die testende Dame bekam dann auch gleich noch die Flasche vom teuren Balsamico geschenkt. Frau Wiener lobte zuerst die Brösel um die Knödel und sorgte damit für einen der Kritikhöhepunkte der Sendung. :)

Insgesamt eine richtig lustige Sendung. Herr Kerner lernt dazu und kocht langsam mit. Alle hatten richtig Spaß an der Sendung und das hat man auch gemerkt. Großes Lob! Herr Mälzers Fussballerlebnisse waren auch richtig unterhaltsam. Der Mann hat einfach eine Art von Selbstbetrachtung, die ich mag.

Schade finde ich allerdings, daß es keine frei verwendbaren Bilder aus der Sendung vom ZDF gibt. Da wären ein paar Screencaps unter Creative Commons o.ä. wirklich ganz angenehm. Dann gäbe es bestimmt mehr Leute, die drüber bloggen würden. Immerhin kann man sich die ganze Sendung als Stream anschauen.

5 Reaktionen zu “Kochsendungskritik”

  1. Untauglich

    alles viel zu aufwendig und nach meiner garantiert fachlich ignoranten meinung auch sicher zum Teil nicht essbar ;-)

    Aber beeindruckend das jemand versteht was die jungs da machen oder sich jemand kerner freiwillig antut, er nervt jetzt schon wenn er wieder wm spiele kommentieren darf ..

  2. Markus

    Jo, die Sendung hab ich auch gesehen, und ich muß sagen, das sah in der Tat alles sehr lecker aus. Daß der Balsamico-Blindtest voll danebenging, hast du mal anstandshalber verschwiegen? ;-)

  3. Ben

    Ja klar… Die konnte nur daneben liegen. Mit Karamel bekommt man eben ein klar süßeres Ergebnis hin, als mit altem Balsamico. Und das süß favorisiert wird sieht man schon am Cola-Blindtest, den immer die süßere Pepsi gewinnt.

  4. marcc

    Frau Wiener nölt mir zu sehr am Essen der anderen rum und Herr Zacherl ist für mich durchgefallen, weil er Werbung für Fertigpampe, äh… Müller-Milchreis macht.

  5. Ben

    Jap… Das muss man Herrn Zacherl wirklich ankreiden. Da ist ihm ein Fehler unterlaufen. Frau Wiener hat in der letzten Sendung nur an ihrem eigenen rumgekrittelt.

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