Der Wert der Dinge

“Geiz ist geil” ging ja nie an mich… Ich kann auch nicht so ganz nachvollziehen, wie man so denken kann, aber wer sich umbedingt die Wochenenden in Schnäppchenmärkten und Fabriklagerverkäufen verbummeln will, meinetwegen! Aber beim Essen hört irgendwie der Spaß auf. Ich hab mich da ja schon mal drüber beschwert.

Gerade im studentischen Umfeld ist das Geld ja nun eher rar gesät. Auch bei mir ist das so und – ja ich gebe es zu – war es auch schon schlimmer. Aber ich arbeite und habe momentan durchaus ein wenig was übrig. Und wenn man auf seine Ausgaben achtet, finde ich das ja auch gut. Aber ich kann es beim besten Willen nicht verstehen, wie man für drei Euro eine gute warme Mahlzeit erwarten kann. (Übrigens noch weniger, wenn man sich aufregt, daß die mal 10 Cent mehr kosten soll.) Diese Preise erreicht man bestenfalls beim sparsamen Selbstkochen (z.B. mit dem Verzicht auf Fleisch oder teuren Käse, o.ä.)

Der Akademiker an sich sollte ja bewußt mit seiner Ernährung umgehen, denn was sonst hält die Denkmaschine zwischen den Ohren am Laufen? Das kommt nicht vom Kaffee allein. Und da kann ich es einfach nicht verstehen, wenn man zwar tausende von Euro in Rechner, Autos, etc. investiert, aber bei dieser essentiellen Resource mit dem Verweis auf die Kosten auf TK-Pizza, 5-Minuten-Terrine oder ähnliche Grausamkeiten setzt. Ich sage jetzt nicht, daß man da Blöd von wird, aber man sollte sich schon mal überlegen, daß man beim Auto ja auch darauf achtet, was man einfüllt und beim Rechner auch nicht umbedingt die günstigste Festplatte in einen wichtigen Rechner schraubt. Ich glaube da gibt es ein Missverhältnis.

Und das ein sehr gutes Menü im Restaurant halt schnell mal 29.- oder auch mal 50.- Euro pro Person kosten kann, ist nur verständlich. Zum einen haben wir’s hier in der Regel mit sehr sehr hochwertigen Rohstoffen zu tun und zum anderen steckt da auch echte Handwerkskunst beim Kochen dahinter, die man entlohnen sollte. Der Preis sollte da den Genuss nicht trüben. Das mag jetzt arrogant und ignorant rüberkommen. Und das ich mir das als Student eben nicht oft leisten kann, versteht sich ja von selbst. Dennoch… Ab und an leiste ich mir das, weil das für mich einfach dazu gehört. Wie man ja auch mal in Urlaub fährt oder sich mal ein Wannenbad (Achtung Wasserpreis! Hallenbad ist billiger!) einlässt.

Was für das Besondere gilt, darf auch im Alltag gelten. Mittags gehe ich eben nicht in die Mensa. Ich glaube einfach nicht, daß ich mich da gesund ernähren kann. Es ist einfach ein System, daß viel zu lösgelöst vom Nahrungsmittel als solches ist. Preislich total entfremdet schafft das einen enormen Druck auf die Produzenten und wohin das führt konnte man ja unlängst überall nachlesen.

Umdenken auch beim Mittagessen: Selber kochen oder ich sag mal über den Daumen gepeilt schon 5 Euro für den Teller ausgeben. Es muss ja auch nicht immer Sushi zu Mittag sein, wie heute bei Herrn Müller und mir. Es gibt da auch durchaus bezahlbare, gute Alternativen zur Mensa… Man muss nur mal die Augen aufmachen.
So… Das lag mir mal auf der Seele. :)

6 Reaktionen zu “Der Wert der Dinge”

  1. JaNik

    Jo, und jetzt sag mir mal wie ich das finanzieren soll. Wenn ich 5€ für jedes Mittagessen im Monat ausgebe, bin ich mehr als Pleite. Und um mich mal zu outen, seit Freitag Nacht ernähre ich mich von im Prinzip von zwei (Mega-)Fladenbroten die ich um ca. 2.30 Uhr nachts beim 24h Bäcker mitgenommen hab. Gut nen Döner hab ich da auch mitgenommen. Aber wenn mich meine Mutter am Sonntag nicht ins Café Chaos eingeladen hätte, wär auch nicht viel anderes dazugekommen.

    P.S.: Heute bestand mein Essen – neben dem Fladenbrot – übrigens aus 2 Nusshörnchen für unschlagbare 1,75€.

  2. Ben

    Sag ich doch auch gar nicht. Man kann sich zum Beispiel prima für 3 € ein prima Mittagessen selber kochen. Man sollte halt nur nicht erwarten jeden Tag ein Stück Fleisch auf dem Teller zu haben. Denn wenn man etwas isst, sollte das auch gut sein, ganz gleich, was es jetzt ist.
    Mich stört überhaupt nicht, daß man auf den Preis achtet. Mich stört das Anspruchsdenken für 3 € (vielbeschworener Mensapreis) mit möglichst viel Tier auf dem Teller gefüttert zu werden.
    Ich habe auch nicht das Geld jeden Mittag essen zu gehen, ergo ich koche viel… Das spart Geld und macht auch noch Spaß. Und wenn man jetzt dabei auch noch darauf achtet, daß die Ausgangsware gut ist, dann ist doch schon alles okay. Ich sage ja nicht, kauft nur beim Bio-Bauer, aber wie gesagt, ich schütte doch auch nicht altes Fritierfett in den Tank und glaube auch noch das tut dem Auto gut.

  3. Asha

    Hm, nur ein kleiner Senf von mir.
    Prinzipiell hast du ja irgendwie Recht, was die Ansprüche bei Lebensmitteln angeht. Andererseits wird das Mensaessen von den meisten gar nicht als schlechtes wahrgenommen… Selbst schuld ;) Mich stört am Mensaessen weniger die geringe Lebensmittelqualität als der geringe Wohlgeschmack ;)

    Und was deine Kostenrechnung angeht:
    Wenn ich mich in meinem Wohnheimkreis/Mitstudentenkreis umschaue, gibt es etliche Studenten, die versuchen, mit 20€ für Lebensmittel die Woche auszukommen. Da ist manchmal nicht mal Mensa drin. Und bei solchen Geldverhältnissen ist der Preis für ein Mensaessen irgendwie nicht so billig und ein von dir beschriebenes Restaurantessen erst gar nicht drin. Die Beschreibung trifft mit Sicherheit nicht die Mehrheit der Studenten, aber durchaus einige.
    Was ich wiederum nicht verstehe, ist, warum Menschen mit einem Job und deswegen meist doch mehr Finanzkraft als Studenten freiwillig in der Mensa essen *kopfschüttel*

    Hey Jan :D Ich hatte heute eine Selbstanrühr-Mediterrane-Pfanne für ca. 2€ und und ne Banane und einen Anrührcappuccino ;)

  4. Ben

    Wenn wirklich nur 20€ drin sind, klar… Da gehts langsam mehr ums Überleben als ums Leben… Wenn dann aber plötzlich 3.000€ (polemische Überhöhung) für ein Notebook drin sind, dann fragt man sich doch mal, ob da was mit den Verhältnissen nicht stimmt.
    Bitte jetzt nicht missverstehen: Ich kenne auch Leute, die gerade so genug haben um irgendwie über die Runden zu kommen. Und auch die achten darauf, was sie essen. Das dann kein Restaurantbesuch drin ist, ist klar.
    Nur stimme ich da Asha wieder zu: Wenn Menschen mit regeltem Einkommen in annehmbarer Höhe noch diese Geschichte abziehen, dann stimmt was nicht…
    Die Franzosen z.B. geben statistisch betrachtet ca. die doppelten Prozentpunkte ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Fragt man sich schon man, was Essen da für einen anderen Stellenwert hat.
    Und nicht vergessen, ich rede jetzt vom Durchschnitt, nicht von extremen Verhältnissen für die ich das größte Verständnis habe.

  5. JaNik

    Ben, ich geb dir auch recht, dass ich schrecklich finde, dass Deutsche so wenig für Lebensmittel ausgeben. (Eine Estin sagte mir mal, dass bei ihr zu hause in Estland die meisten Lebensmittel teurer sind als hier.) Ich muss nur häufig auf den Preis gucken und manchmal ist dann halt auch eine (gern auch selbst gemachte) Suppe mit Brot eine vollwertige Mahlzeit oder häufig ein Salat, weil finanziell nicht viel mehr drin ist. Und wenn ich dann in die Mensa geh, dann will ich dort aber auch ein Fleischgericht zu einem bezahlbaren Preis. Das 8€-Essen im Café Chaos war übrigens gut und üppig. ;-)

  6. rose

    nun, in so einer diskussion kann ich irgendwie nicht so wirklich still halten. ich bin aus einem sehr sparsamen haushalt aufgewachsen; dennoch wurde darauf geachtet, dass beim essen als letzte ressource gespart wird.

    beim einkaufen gebe ich auch acht auf den preis und ich kenne nur allzu gut die situation, wo ich auch mal sehr sehr wenig geld hatte und die woche dann mit weissen nudeln und etwas parmesan drüber überlebt habe, in der hoffnung, dass der zahltag bald kommt.

    ich bin jetzt auch nicht im wohlstand gelandet und muss meine ressource zusammenhalten. aber manchmal finde ich es einfach wunderbar, wenn neben meinem normalen einkaufsliste auch mal etwas exotischers in den skorb kommt – sei es in form von rohem gemüse oder gutem brot, obst oder fisch. –klar, das Geld fehlt dann vielleicht fürs Kino/Neue Schuhe/mehr Bier/Computerspiele/Süssigkeiten/etc.

    und dann möchte ich noch eine kurze anektote loswerden: schokolade, 70% mit kakao. wenn man mit so einer plötzlich einen kuchen macht, mit den feinsten zutaten; nur wenige wissen das dann auch zu schätzen, da unsere geschmacksnerven doch oft von geschmacksverstärker verstümmelt sind…

    und zur mensa: ich fand die mensa gar nicht so schlecht! Speziell die Salattheke. Da gibt es für wenig Geld doch etwas Vitamine. Einen Vorteil habe ich sicherlich: ich bin nicht so scharf auf ein Fleisch. Und wenn, dann bitte nur eines, das glücklich und stressfrei ohne Antibiotika aufgewachsen ist.
    Das hat auch seinen Preis. Klar. Aber wenn ich mir dann so was gönne, dann weiss ich wenigstens, dass ich nicht gestresstes Fleisch esse, von Tieren, die lange Strecken transportiert wurden.

    Preisknappheit in allen Ehren, aber umsonst gibt es nichts;

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