überallfernsehen

In den Zentralen des öffentlich-rechtlichen, ja man raunt sogar des privaten, deutschen Fernsehns knallen Sektkorken. Man hat sich der alten analogen Antennenübertragungstechnik im Sauseschritt entledigt. Benannt hat man die Wirtschaftsförderungsmaßnahme DVB-T nach der dahinterliegenden Technik des Digital Video Broadcasting-Terrestrial.
Die Menschen in den schon erwähnten Zentralen sprechen auch ganz gerne esoterisch von “überallfernsehen”. Da man damit angeblich überall fernsehen könne. Genaugenommen konnte man das als findiger Schnorrer schon immer… Im Krankenhaus, bei Freunden, in der Kneipe… Überall Fernsehen! Ging schon früher. Kein Problem.
Überallfernsehen ist auch irgendwie nicht wahr. Ich brauche klobige Zusatzempfangsgeräte und klotzige Antennen. Das ganze Klotzfernsehen zu taufen, hat aber wohl niemand gewagt. In manchen Regionen Deutschlands hat man auch noch gar keinen DVB-T Empfang, zudem ist das Programmangebot zwar besser als früher über Antenne, aber jedoch kein Vergleich zu Kabelfernsehen (Das gibts übrigens wirklich fast überall.).
Ich schlage deswegen ganz ernsthaft und ohne Hintergedanken eine neue Bezeichnung vor: Ortsweiseeinbisschenmehralsvorherfernsehen.
Das prägt sich ein und sagt genau was es ist.

Nachdem ich vier verschiedene Antennen ausprobiert habe, habe ich jetzt eine gefunden die – sagen wir mal – so ein wenig funktioniert. Denn juchhe, ich lebe in einem Gebiet in dem man laut Betreiber eine Aussenantenne benötige. Geht jedoch nicht und ich bin auch nicht bereit mein Kabel aufzugeben um das alte häßliche Ding von Dachantenne wieder zu benutzen.
Apropos Dachantenne. Hat Deutschland nicht im Zuge des Kabelfernsehens ganz deutlich hörbar aufgeatmet, daß man Häuserdächer jetzt auch wieder ohne Schamgefühl anschauen kann?
Nun gut. Ich empfange ein wenig. Leider nicht den ARD-Block. Den man wohl in eine für Randzonenbewohner ganz ungünstigen Region abgelegt haben. Ganz ungezogen finde ich auch die Praxis einen Sendeplatz ZEITLICH auf verschiedene Sender aufzuteilen. So nach dem Motto 3sat wird erst ab 18:30 interessant. Dem ist nicht so. Somit reduziert es sich doch recht deutlich, was man da sehen kann.

Zudem folgte recht bald die Ernüchterung, daß die neue technische Qualität nicht wirklich zu inhaltlicher Qualität führt. Ueberallbesserfernsehn. Kein “Unterschichtenfernsehn” mehr, außer als Strafe. Das fände die Nation prima.

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